Der UN-Generalsekretär António Guterres veröffentlichte auch 2025 eine Botschaft zum »Internationalen Tag zur Bekämpfung der Islamfeindlichkeit«. In Deutschland wird dieser Aktionstag zunehmend politisch genutzt – doch wie fundiert ist das Bild einer wachsenden Islamfeindlichkeit?
Problematische Definitionen von Islamfeindlichkeit
Schröter kritisiert, dass viele Studien, die eine Zunahme von Islamfeindlichkeit behaupten, mit tendenziösen Begrifflichkeiten arbeiten. Als Beispiel nennt sie die »Bestandsaufnahme zu Muslimfeindlichkeit« des »Unabhängigen Expertenkreises Muslimfeindlichkeit«, veröffentlicht mit einem Vorwort von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). In diesem Bericht würden unter anderem Kritik am Islamismus, Hinweise auf Clankriminalität oder die Thematisierung der Unterdrückung von Mädchen und Frauen in muslimischen Communitys als islamfeindlich gewertet. Schröter hält das für eine problematische Verengung:
»Tatsächlich existieren diese Missstände, und ihre Benennung ist keine Islamfeindlichkeit.«
Dass solche Debatten in vielen islamisch geprägten Ländern ganz selbstverständlich seien, werde in Deutschland kaum berücksichtigt:
»In allen islamischen Ländern gibt es Auseinandersetzungen über Islamismus oder Gewalt gegen Frauen im Namen des Islam. Dort gilt das als emanzipativer linker Diskurs, bei uns als ›rechte‹ Islamfeindlichkeit.«
Angst vor Islamismus – nicht vor Muslimen
Schröter betont, dass die wachsende gesellschaftliche Unsicherheit gegenüber dem Islam nicht irrational sei, sondern in konkreten Erfahrungen mit islamistischem Terror begründet liege. Die Folge sei ein wachsendes Meidungsverhalten:
»Während antichristliche Karikaturen weiterhin in Satiremagazinen und politischen Kampagnen erscheinen, traut sich kaum noch jemand, den Islam zu kritisieren.«
Der Fall des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard sowie das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo hätten gezeigt, welche Gefahren kritische Stimmen im Kontext des Islam eingehen müssen.
Kooperation mit säkularen und liberalen Muslimen
Für eine tragfähige Lösung plädiert Schröter für mehr Zusammenarbeit mit säkularen und liberalen Muslimen. Ein Beispiel sei der Politikwissenschaftler Bassam Tibi, der frühzeitig vor dem Politischen Islam gewarnt und das Konzept eines »Euro-Islam« formuliert habe:
»Er hatte ein Konzept vorgelegt, das sich an einem Europa der Aufklärung orientierte und Menschen jedweder religiösen Überzeugung integrieren konnte – sofern sie sich der Demokratie, den Menschenrechten und dem Erbe der Aufklärung verpflichteten.«
Tibis Idee sei nie in die politische Praxis übernommen worden – ein Versäumnis, das Schröter ausdrücklich bedauert.
»Leider arbeiten staatliche Stellen vorwiegend mit islamischen Dachverbänden zusammen, die in starkem Maße auslandsabhängig und oft auch islamistisch verfasst sind. Die Kritik an dieser Praxis geht bis in die Anfänge der Deutschen Islamkonferenz zurück, wurde aber niemals ernsthaft beachtet.«
➡️ Weiterlesen in der Rhein-Neckar-Zeitung (Bezahlschranke): Gibt es tatsächlich wachsende Islamfeindlichkeit?