»Inter­na­tio­na­ler Tag zur Bekämp­fung der Islam­feind­lich­keit« – kri­ti­sche Anmer­kun­gen von Susan­ne Schrö­ter

Am 15. März 2025 wurde erneut der »Internationale Tag zur Bekämpfung der Islamfeindlichkeit« begangen. In diesem Zusammenhang wird oft von einer wachsenden Islamfeindlichkeit in Deutschland gesprochen. Die Ethnologin Prof. Dr. Susanne Schröter, Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam, äußert in der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) deutliche Kritik an der Art und Weise, wie »Islamfeindlichkeit« definiert und politisch behandelt wird.

Der UN-Gene­ral­se­kre­tär Antó­nio Guter­res ver­öf­fent­lich­te auch 2025 eine Bot­schaft zum »Inter­na­tio­na­len Tag zur Bekämp­fung der Islam­feind­lich­keit«. In Deutsch­land wird die­ser Akti­ons­tag zuneh­mend poli­tisch genutzt – doch wie fun­diert ist das Bild einer wach­sen­den Islam­feind­lich­keit?

Pro­ble­ma­ti­sche Defi­ni­tio­nen von Islam­feind­lich­keit

Schrö­ter kri­ti­siert, dass vie­le Stu­di­en, die eine Zunah­me von Islam­feind­lich­keit behaup­ten, mit ten­den­ziö­sen Begriff­lich­kei­ten arbei­ten. Als Bei­spiel nennt sie die »Bestands­auf­nah­me zu Mus­lim­feind­lich­keit« des »Unab­hän­gi­gen Exper­ten­krei­ses Mus­lim­feind­lich­keit«, ver­öf­fent­licht mit einem Vor­wort von Bun­des­in­nen­mi­nis­te­rin Nan­cy Fae­ser (SPD). In die­sem Bericht wür­den unter ande­rem Kri­tik am Isla­mis­mus, Hin­wei­se auf Clan­kri­mi­na­li­tät oder die The­ma­ti­sie­rung der Unter­drü­ckung von Mäd­chen und Frau­en in mus­li­mi­schen Com­mu­ni­tys als islam­feind­lich gewer­tet. Schrö­ter hält das für eine pro­ble­ma­ti­sche Ver­en­gung:

»Tat­säch­lich exis­tie­ren die­se Miss­stän­de, und ihre Benen­nung ist kei­ne Islam­feind­lich­keit.«

Dass sol­che Debat­ten in vie­len isla­misch gepräg­ten Län­dern ganz selbst­ver­ständ­lich sei­en, wer­de in Deutsch­land kaum berück­sich­tigt:

»In allen isla­mi­schen Län­dern gibt es Aus­ein­an­der­set­zun­gen über Isla­mis­mus oder Gewalt gegen Frau­en im Namen des Islam. Dort gilt das als eman­zi­pa­ti­ver lin­ker Dis­kurs, bei uns als ›rech­te‹ Islam­feind­lich­keit.«

Angst vor Isla­mis­mus – nicht vor Mus­li­men

Schrö­ter betont, dass die wach­sen­de gesell­schaft­li­che Unsi­cher­heit gegen­über dem Islam nicht irra­tio­nal sei, son­dern in kon­kre­ten Erfah­run­gen mit isla­mis­ti­schem Ter­ror begrün­det lie­ge. Die Fol­ge sei ein wach­sen­des Mei­dungs­ver­hal­ten:

»Wäh­rend anti­christ­li­che Kari­ka­tu­ren wei­ter­hin in Sati­re­ma­ga­zi­nen und poli­ti­schen Kam­pa­gnen erschei­nen, traut sich kaum noch jemand, den Islam zu kri­ti­sie­ren.«

Der Fall des däni­schen Kari­ka­tu­ris­ten Kurt Wes­ter­gaard sowie das Atten­tat auf die Redak­ti­on von Char­lie Heb­do hät­ten gezeigt, wel­che Gefah­ren kri­ti­sche Stim­men im Kon­text des Islam ein­ge­hen müs­sen.

Koope­ra­ti­on mit säku­la­ren und libe­ra­len Mus­li­men

Für eine trag­fä­hi­ge Lösung plä­diert Schrö­ter für mehr Zusam­men­ar­beit mit säku­la­ren und libe­ra­len Mus­li­men. Ein Bei­spiel sei der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Bassam Tibi, der früh­zei­tig vor dem Poli­ti­schen Islam gewarnt und das Kon­zept eines »Euro-Islam« for­mu­liert habe:

»Er hat­te ein Kon­zept vor­ge­legt, das sich an einem Euro­pa der Auf­klä­rung ori­en­tier­te und Men­schen jed­we­der reli­giö­sen Über­zeu­gung inte­grie­ren konn­te – sofern sie sich der Demo­kra­tie, den Men­schen­rech­ten und dem Erbe der Auf­klä­rung ver­pflich­te­ten.«

Tibis Idee sei nie in die poli­ti­sche Pra­xis über­nom­men wor­den – ein Ver­säum­nis, das Schrö­ter aus­drück­lich bedau­ert.

»Lei­der arbei­ten staat­li­che Stel­len vor­wie­gend mit isla­mi­schen Dach­ver­bän­den zusam­men, die in star­kem Maße aus­lands­ab­hän­gig und oft auch isla­mis­tisch ver­fasst sind. Die Kri­tik an die­ser Pra­xis geht bis in die Anfän­ge der Deut­schen Islam­kon­fe­renz zurück, wur­de aber nie­mals ernst­haft beach­tet.«

➡️ Wei­ter­le­sen in der Rhein-Neckar-Zei­tung (Bezahl­schran­ke): Gibt es tat­säch­lich wach­sen­de Islam­feind­lich­keit?